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27.01.2003 Internet bei Hauptversammlungen auf dem Vormarsch Kurzumfrage bei DAX- und MDAX-Unternehmen zur elektronischen Stimmrechtsübertragung bei Hauptversammlungen Stuttgart. Immer mehr DAX und MDAX Unternehmen bieten Online-Abstimmungen bei ihrer Hauptversammlung an. Waren es im vergangenem Jahr 14 börsennotierte Unternehmen, die von den neuen Möglichkeit des Internets Gebrauch machten, werden es dieses Jahr voraussichtlich über 21 sein. Dies ist eines der Ergebnisse der von der Stuttgarter Unternehmensberatung dr. šonje webconsult GmbH durchgeführten Umfrage zum Einsatz des proxy voting via Internet.
Bislang mussten Aktionäre um über die Tagesordnungspunkte einer Hauptversammlung abstimmen zu können entweder persönlich anwesend sein oder sich durch eine Person vor Ort vertreten lassen. Mit der Änderung des Gesetzes zur Namensaktie und zur Erleichterung der Stimmrechtsausübung (NaStraG) sowie des Transparenz- und Publizitätsgesetzes (TransPuG), haben börsennotierte Unternehmen nun seit etwa zwei Jahren auch die Option, Abstimmungen via Internet durchzuführen. Mit dem sogenannten Internet proxy voting, haben die Aktionäre nun die Möglichkeit, entweder bis kurz vor der Abstimmung ihr Votum abzugeben oder ihr zuvor schon festgelegtes Stimmverhalten noch einmal zu ändern. In der Umfrage, die in der Zeit zwischen Dezember letzten Jahres und Januar 2003 stattgefunden hat, wurden alle DAX und MDAX Unternehmen darauf hin befragt, ob und inwieweit sie die neuen technischen Möglichkeiten bereits nutzen oder deren Einsatz in der Zukunft planen. Im einzelnen konnten dabei 29 der 30 DAX und 63 der 70 MDAX Unternehmen erreicht werden, dies entspricht einer Gesamtrücklaufquote von 92 Prozent. Im vergangenem Jahr hatten die Aktionäre bei insgesamt 14 Unternehmen, die Möglichkeit, über das Internet ihre Stimme abzugeben. Im einzelnen war dies bei 9 DAX und 5 MDAX Unternehmen möglich. In diesem Jahr wird die Anzahl der Unternehmen, die dies anbieten, deutlich ansteigen. Bei mindestens 14 DAX und 7 MDAX Unternehmen werden Aktionäre via Internet über die einzelnen Punkte der Tageordnung der Hauptversammlung abstimmen können. Dies entspricht einer Zuwachsrate von 50 Prozent innerhalb nur eines Jahres. Überdies sind bei einer ganzen Reihe an Unternehmen die Würfel für dieses Jahr noch nicht gefallen. Ein Teil der befragten Unternehmen gab an, dass man derzeit noch an der dazu notwendigen Satzungsänderung arbeite, um gegebenenfalls proxy voting via Internet in den nächsten Jahren anbieten zu können. Daher ist zu erwarten, dass die Anzahl der Unternehmen, die diese Serviceleistung ihren Aktionären anbieten wird, in den nächsten Jahren weiter ansteigt. Ein weiteres Ergebnis ist, dass alle diejenigen Unternehmen, bei denen das proxy voting via Internet im vergangen Jahr möglich war, diesen Service auch in diesem Jahr anbieten werden. Bei keinen der befragten Unternehmen waren die technischen oder organisatorischen Probleme so groß, dass man in diesem Jahr darauf verzichtet will. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass das Internet für die Abwicklung einer Hauptversammlung eine immer größere Bedeutung einnimmt. Zwar nehmen die DAX Unternehmen hier eindeutig eine Vorreiterrolle ein, dennoch scheint diese technische Innovation auch für eine ganze Reihe an MDAX Unternehmen von Interesse zu sein. Im Hinblick auf die Motivation, proxy voting via Internet zu ermöglichen, zeigt sich, dass dies vor allem für diejenigen Unternehmen interessant ist, die entweder über einen großen Streubesitz verfügen oder die für ausländische Anleger attraktiver sein wollen. Die Erfahrungen der Unternehmen sind dabei alles in allem eher positiver Natur. So gab beispielsweise ein MDAX Unternehmen an, dass man dadurch seine angelsächsischen Investoren deutlich besser miteinbeziehen und deren Präsenz auf den Hauptversammlungen in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 10 Prozentpunkte auf fast 80% steigern konnte. Dennoch gibt ein Sprecher des Unternehmens zu bedenken, dass die Erfahrung der letzten zwei Jahre auch gezeigt hat, dass es mit dem proxy voting alleine nicht getan sei: „Eine detaillierte Investorensegmentierung und vorbereitende Roadshows zur Einbindung der Investoren sowie ein entsprechender konzeptioneller Aufbau der Website des Unternehmens sind als Voraussetzung für ein erfolgreiches proxy voting unabdingbar.“ Diese Einschätzung teilen auch andere befragte Unternehmen. Nur wenn es gelinge das proxy voting via Internet funktional optimal mit den anderen Unternehmensaktivität zu verbinden, sei ein Erfolg zu erwarten. Die Gründe auf proxy voting via Internet zu verzichten sind vielfältiger Art. Ein nur geringer Anteil an Streubesitz, eine vorwiegend nationale Aktionärsstruktur, keine Absicht sich auf internationalen Aktienmärkten zu positionieren, eine Aktionärsstruktur mit überwiegend konservativen Anlegern und schließlich die Annahme hoher Kosten sind für die meisten Unternehmen die wichtigsten Argumente auf diesen Service - zumindest derzeit – zu verzichten. Dennoch geben die meisten der Unternehmen, die sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt gegen proxy voting via Internet entschieden haben an, dass sie die weitere Entwicklung dieser neuen Technik sehr genau beobachten. Anmerkung der Redaktion: Hintergrund dieser Umfrage ist eine umfassende empirische Marktstudie („Hauptversammlung Online 2003“), bei der der Einsatz des Internets zur Unterstützung der Durchführung einer Hauptversammlung untersucht wird. Die Studie kombiniert dabei sowohl qualitative als auch quantitative Untersuchungsmethoden. In einem ersten Schritt werden - mittels einer telefonischen Befragung – diejenigen Unternehmen befragt, die bereits über Erfahrungen, insbesondere bei der Planung und Durchführung von proxy voting via Internet haben. Daran schließt sich eine quantitative Inhaltsanalyse ausgewählter Hauptversammlung Online-Angebote an. Hier wird auf der Grundlage eines umfassenden Kriterienkatalogs das Dienstleistungsspektrum und die Gebrauchstauglichkeit der einzelnen Online-Angebote vor, während und nach einer Hauptversammlung untersucht. Die Gesamtstudie wird erst nach dem Ablauf der diesjährigen Hauptversammlungs-Saison erscheinen (voraussichtlich Ende September 2003), allerdings werden von uns Zwischenergebnisse veröffentlicht. Pressestimmen: 04.03.2003 ZDFheute: Aktionäre können draußen bleiben 22.01.2003 Financial Times Deutschland: Mehr Online-Abstimmungen / Nachrichten
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