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Pressemitteilung

11.07.2003

Wie stellen sich Top-Manager im Internet dar?

Unsichtbare Spitze

Im Auftrag des manager magazins untersuchte die dr. šonje webconsult GmbH die Selbstdarstellung der Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden der DAX-Unternehmen im Internet.

Die amerikanische Zentralbank ist Greenspan, DaimlerChrysler ist Schrempp, Porsche ist Wiedeking! Top-Manager repräsentieren immer stärker die Unternehmen, die sie leiten. An der Spitze eines Unternehmens sind immer weniger "stille Macher" gefragt, sondern Köpfe, die in der Öffentlichkeit agieren und glaubwürdig und überzeugend die Entscheidungen von Unternehmen nach außen hin vermitteln. Dieser Trend hat sich mit der Verabschiedung des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) noch verstärkt. Der Kodex hat nicht nur die Ansprüche an die Unternehmens- bzw. Finanzkommunikation im Allgemeinen, sondern auch an die persönliche Vorstellung führender Persönlichkeiten in den Unternehmen deutlich verändert. Wie sieht es jedoch in der Praxis aus? Im Auftrag des manager magazins hat die dr. šonje webconsult GmbH die Selbstdarstellung des Top-Managements bei den DAX-Unternehmen untersucht.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen ein gespaltenes Bild. Während sich die Management-Spitze einer ganzen Reihe an Unternehmen, wie Allianz, BASF und ThyssenKrupp in vorbildlicher Weise darstellt, beschränken sich viele Unternehmen gerade mal auf das Allernotwendigste. So lässt die Selbstdarstellung von Michael Diekmann, dem neuen Vorstandsvorsitzenden der Allianz AG kaum Wünsche offen. Interessierte Kunden, Anleger oder Journalisten finden im Internet neben seinem Ausbildungshintergrund, einer detaillierten Übersicht über seinen beruflichen Werdegang, einer umfassenden Liste seiner Nebentätigkeiten auch ein gewinnendes persönliches Portrait. Fast schon selbstverständlich erscheint dabei die Offenlegung der Vergütung von Herrn Diekmann. Im Gegensatz dazu stehen Unternehmen, wie die Deutsche Börse, Infineon oder MLP. Durchgängig begnügt sich hier das Top-Management gerade mal mit einer Minimaldarstellung. Stellvertretend für viele andere sei auf Werner Seifert, den Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Börse AG verwiesen. Seine Selbstdarstellung ist nicht nur kaum zu finden innerhalb des Online-Angebotes, sondern enthält auch nur Minimalinformationen. Weder ein Bildportrait, noch Informationen zum beruflichen Hintergrund oder über Nebentätigkeiten finden sich hier. Dementsprechend sucht man auch vergeblich nach Angaben zu seiner Vergütung oder zu der Höhe eines möglichen Selbstbehaltes bei einer D&O-Versicherung.

Alles in allem findet man bei gerade mal 40 Prozent der untersuchten Online-Angebote Informationen zu möglichen Nebentätigkeiten der Vorstandsvorsitzenden. Bei nur 27 Prozent findet man individualisierte Angaben zur Vergütung und nur etwas mehr als 13 Prozent machen Angaben über ihre jeweilige Wahlperiode. Nur etwas mehr als die Hälfte der Vorstandsvorsitzenden machen konkrete Angaben über ihre jeweiligen Zuständigkeiten bzw. Arbeitsbereiche im Konzern.

Noch schlechter ist das Bild bei den Vorsitzenden des Aufsichtsrates. Nur in den seltensten Fällen findet man hier ein Bildportrait, Angaben zum beruflichen Hintergrund oder zur Ausbildung. Bei nicht mal 7 Prozent der Aufsichtsratsvorsitzenden ist die Wahlperiode für die sie gewählt wurden angegeben und bei weniger als der Hälfte finden sich Informationen zu den Ausschüssen, in denen sie vertreten sind.

Diese insgesamt enttäuschenden Ergebnisse belegen, dass die Prinzipien und der Geist der hinter dem CG-Kodex steht, in den Köpfen vieler Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden noch nicht fest verankert ist. Man verkennt, dass die Veröffentlichung grundlegender persönlicher Angaben keine Privatangelegenheit ist, sondern eine direkte Maßnahme zur Stärkung des Anlegervertrauens darstellt. Dies ist umso erstaunlicher, weil gerade der Verlauf nicht weniger Hauptversammlungen in diesem Jahr den Vorständen und Aufsichtsräten hätte vor Augen führen müssen, dass Anleger ein höheres Maß an Transparenz erwarten, als viele Unternehmen bereit sind zu gewähren.



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Letzte Änderung: 08.08.2003
Ihr Ansprechpartner

David Niegisch
E-Mail: niegisch@sonje-webconsult.de  

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