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Pressemitteilung

30.07.2003



Trippelschritte statt große Sprünge

Erfahrungen von DAX- und MDAX-Unternehmen mit Online-Abstimmungen während der Hauptversammlung

Sich nahezu endlos hinziehende Hauptversammlungen, weitschweifige Profilierungsstatements oder überharte persönliche Kritik am Top-Management haben unter anderem auch dazu geführt, dass die Vision einer "Cyber-Hauptversammlung" vielerorts zu einer verlockenden Alternative geworden ist. Wie sieht es jedoch in der Praxis aus? Welche Ziele verfolgen die Unternehmen mit Online-Abstimmungen tatsächlich? Welche Erfahrungen haben sie damit gemacht? Welche Ziele wurden dabei erreicht, welche nicht? Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Diesen und ähnlichen Fragen ging - im Rahmen einer im deutschsprachigen Raum erstmaligen empirischen Untersuchung - die Stuttgarter Unternehmensberatung dr. šonje webconsult GmbH nach. Grundlage der Untersuchungsergebnisse ist eine repräsentative Befragung aller DAX- und MDAX-Unternehmen, die in den vergangenen zwei Jahren Internet Proxy Voting angeboten haben oder bei denen der Service dieses Jahr zum ersten Mal angeboten wurde.

Ausschlaggebend für die Einführung des Internet Proxy Voting waren demnach für die meisten Unternehmen vor allem wettbewerbsorientierte Gründe. Die Mehrzahl der Unternehmen ist davon überzeugt, dass man mit einer derartig innovativen Technik, den Service für die Anleger entscheidend verbessern und sich damit positiv gegenüber anderen Gesellschaften absetzen kann. Als ähnlich bedeutsam werden legitimatorische Ziele betrachtet. Diese zielen auf eine Verbesserung der Präsenz des Grundkapitals während der Hauptversammlung oder auf eine umfassendere Einbindung ausländischer Anleger bei Abstimmungen. Überraschenderweise wurden jedoch administrative Ziele, die auf eine Optimierung der organisatorischen Abläufe während der Hauptversammlung zielen, als insgesamt eher nachrangig bezeichnet. Dazu zählen die Beschleunigung des Abstimmungsverfahrens und die damit einher gehende Verkürzung der Hauptversammlung bzw. die Reduzierung der Kosten für die Durchführung der Hauptversammlung.

Vergleicht man die Bedeutsamkeit von Zielen mit dem jeweiligen Grad an Zielerreichung, so stellt man fest, dass es hierbei im einzelnen deutliche Unterschiede gibt. Nach eigener Einschätzung wurden mit der Einführung des Internet Proxy Voting vor allem wettbewerbsorientierte Ziele erreicht. Nicht oder zumindest deutlich geringer als in der zuvor abgegebenen Selbsteinschätzung wurden Ziele, wie "Kosten senken", "Präsenz des Grundkapitals verbessern" oder "internationale Anleger stärker einbinden" erreicht.

Auch wenn das Fazit nahezu aller Unternehmen in Bezug auf diesen neuen Anlegerservice sehr positiv ausfällt, so stellt sich dennoch die Frage, ob auf Dauer ein derartiger zusätzlicher Service angeboten werden kann der nicht zu einer entscheidenden Verbesserung der Legitimationsbasis von Entscheidungen oder zumindest zu einer deutlichen Reduzierung von Kosten und Aufwand führt.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen wird auch verständlich, warum die Zukunftsvision einer reinen Cyber-Hauptversammlung, die die derzeit übliche Präsenz-Hauptversammlung vollständig ersetzen könnte eher in weite Ferne gerückt ist, als zu einem realistischen Szenarium für die nächsten Jahre zu werden. Die Untersuchungsergebnisse belegen hingegen den Trend, dass die Unternehmen gegenwärtig eher versuchen, die bereits bestehenden Leistungen im Detail zu verbessern und den Nutzerkreis zu erweitern, als den Service an sich auszuweiten. Nach Ansicht von Dr. Deziderio Šonje, dem Leiter der Studie und Chef der Unternehmensberatung, "haben sich die meisten Unternehmen von der Strategie, der großen Schritte, hin zu der Verwirklichung einer rein im Internet stattfindenden Hauptversammlung verabschiedet und verfolgen derzeit eher eine Planung, bei der Schritt für Schritt Details verbessert werden".

Gleichwohl ist Šonje davon überzeugt, dass sich Internet Proxy Voting in den nächsten zwei bis drei Jahren zu einem Standard der Investor Relations-Arbeit entwickeln wird. "Hierfür sehe ich drei Gründe. Erstens, keines der Unternehmen, die diesen innovativen Service in den letzten Jahren angeboten haben, hat über nennenswerte Probleme bei deren Planung und Umsetzung berichtet. Dies spricht für eine weitgehend reibungslose Umsetzung. Zweitens, sowohl die zumeist hohen Nutzungsraten als auch die hohe Akzeptanzbereitschaft seitens der Internet-Nutzer sprechen dafür, dass viele Anleger dies als einen inzwischen selbstverständlichen Service betrachten und drittens, wissen wir aus Hintergrundgesprächen, dass eine ganze Reihe an Unternehmen bislang in den Startlöchern gestanden ist und zunächst noch die ersten Erfahrungen mit dieser Technologie abwarten wollte".

Anmerkung der Redaktion:
Hintergrund dieser Umfrage ist eine umfassende empirische Marktstudie ("Hauptversammlung Online 2003"), bei der der Einsatz des Internets zur Unterstützung der Durchführung einer Hauptversammlung untersucht wird.

In einem ersten Schritt wurden - mittels einer telefonischen Befragung - diejenigen Unternehmen befragt, die bereits über Erfahrungen, insbesondere bei der Planung und Durchführung von proxy voting via Internet haben. Daran schließt sich eine quantitative Inhaltsanalyse ausgewählter Online-Angebote von Hauptversammlungen an. Hierbei wird auf der Grundlage eines umfassenden Kriterienkatalogs das Dienstleistungsspektrum und die Gebrauchstauglichkeit der einzelnen Online-Angebote vor, während und nach einer Hauptversammlung untersucht.

Die Gesamtstudie wird voraussichtlich Ende August 2003 erscheinen. Sollten Sie an weiteren Detailergebnissen interessiert sein, bitten wir Sie mit uns in Kontakt zu treten.



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Letzte Änderung: 30.07.2003
Ihr Ansprechpartner

David Niegisch
niegisch@sonje-webconsult.de 

Service

button_download2 Die Pressemitteilung zur Studie zum Download (pdf, 128 kB)