Die Angebote für Anleger der Dax 30 Unternehmen im Internet sind noch zu nutzerunfreundlich. Dies zeigt eine exklusive Studie der Stuttgarter Unternehmensberatung
Versteckspiel statt Transparenz
Informationssuche bleibt mühsam und langwierig
21.05.2002
Stuttgart. Die IR-Angebote der Aktienunternehmen im Internet müssen nutzerfreundlicher werden - das forderte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) bereits vor zwei Jahren und formulierte davon ausgehend eine Liste mit Inhalts- und Gestaltungsempfehlungen. Getan hat sich jedoch bislang nur wenig. Dies ist eines der Ergebnisse einer umfassenden Studie zur Qualität von IR-Auftritten im Internet der Stuttgarter Unternehmensberatung dr. šonje webconsult. Dementsprechend ernüchternd ist die Realität: Unübersichtliche Online-Auftritte, versteckte und veraltete Informationen - dem Anleger wird es oft schwer gemacht, die gewünschten Auskünfte zu finden.
Bereits im ersten Jahr nach Herausgabe der Empfehlungen des Deutschen Aktieninstituts hatte die Stuttgarter Unternehmensberatung dr. šonje webconsult das Online-Angebot der DAX 30-Unternehmen untersucht und dabei insbesondere den Investor-Relations-Bereich berücksichtigt.
Geprüft werden sollte, inwiefern die Empfehlungen auf den Unternehmensseiten umgesetzt werden und wie anwenderfreundlich das Angebot ist. Das Ergebnis war ernüchternd: Kein einziges Unternehmen hatte bis dahin alle Empfehlungen realisiert, etliche noch nicht einmal die Hälfte. Der Anleger muss schon ein gewisses Maß an technischer Versiertheit mitbringen, um sich in den meist viel zu komplexen Sites, denen Navigationshilfen weitestgehend fehlen, zurechtzufinden.
Jetzt - ein Jahr später - sollte eine Wiederholungsuntersuchung zeigen, ob sich die Situation verbessert hat. Dafür wurde von Ende März bis Mitte April 2002 wiederum speziell das IR Online-Angebot der DAX 30-Unternehmen analysiert. Nur teilweise weichen die Ergebnisse von denen des Vorjahres ab - und nicht immer haben sich die Unternehmen positiv verändert.
Zwar sind Unternehmensprofil oder der aktuelle Aktienkurs nach wie vor meist leicht zu entdecken, und auch spezielle IR-Ansprechpartner sind bei fast allen Unternehmen zu erreichen. Gleiches gilt für Abschluss- und Geschäftsberichte: Diese stehen in allen Fällen als pdf-Dateien zum Download bereit. Weitere Infos muss man sich jedoch - sofern sie überhaupt vorhanden sind - häufig mühsam durch Durchforsten der einzelnen Seiten selbst zusammensuchen.
Darüber, wie viele Aktien in Managementbesitz sind, schweigen mit einer Ausnahme alle Unternehmen. Und auch ihre Satzung veröffentlichen nur 16,7 Prozent, fast 10 Prozentpunkte weniger als bei der letztjährigen Untersuchung. Auch die Zahl der Firmen, die ein Archiv mit Ad-Hoc-Meldungen anbieten, ist um sieben Prozentpunkte auf jetzt 23 Prozent gesunken.
Bezüglich der Aktionärsstruktur kommt die Untersuchung zu folgendem Ergebnis: Vier der 30 Unternehmen verzichten darauf, die Zusammensetzung ihrer Aktionäre preiszugeben - eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr: 2001 waren dementsprechende Auskünfte nur auf 21 Sites vorhanden. Gleiches gilt für das Grundkapital: Nur 26% der DAX 30-Unternehmen informierten darüber 2001 auf ihrer Website, die aktuelle Untersuchung liefert mit 63,3% ein deutlich besseres Ergebnis.
Doch warum wird scheinbar so wenig Wert auf einen nutzerfreundlichen Auftritt gelegt, bei dem alle Informationen leicht zugänglich sind? Im Vergleich zu amerikanischen Firmen seien deutsche Firmen bei ihrer Informationsbereitschaft deutlich zurückhaltender, meint Firmenchef und führt dies vor allem auf die hiesige Unternehmenskultur zurück: "Deutsche Unternehmen sind bisher von einer eher passiven Informationspolitik geprägt. Trotz Internationalisierung haben die wenigsten verstanden, dass potentielle Anleger das Internet als nutzbare Informationsquelle nutzen wollen."
Versteckspiel statt Transparenz - das ist der Eindruck, der dem Anleger bis auf einige wenige Ausnahmen vermittelt wird. Bis spätestens August diesen Jahres müssen die Unternehmen allerdings intensiv an ihrem Angebot arbeiten. Dann nämlich tritt der Corporate Governance Kodex in Kraft, der die Unternehmen zur Einhaltung gewisser Informationsregelungen verpflichtet. Bereits jetzt gilt die sogenannte "Comply-or-explain-Regel": Wird der Kodex nicht berücksichtigt, müssen die Gründe dafür offengelegt werden.
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