Dax-30-Firmen behandeln Corporate Governance stiefmütterlich
Untersuchung der Onlineauftritte kürt ThyssenKrupp zum Sieger · Informationen zur Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung sind noch spärlich
von Ina Bauer, FrankfurtDer Countdown für die Umsetzung des von der Regierung verabschiedeten Corporate-Gover-nance Kodex (CG-Kodex) läuft. Bis zum Jahresende müssen die deut-schen Unternehmen erklären, ob und wie sie den Kodex umsetzen. Bisher sind nur rund 23 % der Dax-30- Firmen in ihrem Onlineauftritt dieser Pflicht nachgekommen, wie eine Untersuchung des Beratungs-unternehmens Dr. Sonje Webconsult GmbH zeigt. Dient der Grad der Realisierung des CG-Kodex als Messlatte, so hat keines der Dax-30-Unternehmen bislang alle relevanten Anforderun-gen und Empfehlungen online um- gesetzt. ThyssenKrupp ist mit einem Realisierungsgrad von 75 % in der Top-Position, gefolgt von der Deut-sche Bank und BASF. Das ist nicht verwunderlich, denn Thyssen-Krupp- Vorstand Gerhard Cromme und Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer gehörten der Kommission an, die im Auftrag der Regierung den Kodex erarbeitet hat. Schlusslicht ist der Finanzdienstleister MLP, der laut der Auswertung nur 22 % der Emp-fehlungen umgesetzt hat. Corporate Governance bezeichnet die nach Anlegerinteressen ausge-richtete Unternehmensführung, die angesichts der jüngsten Bilanzskan-dale an Bedeutung gewinnt und ge-wonnen hat. Die Pflicht, die Umset-zung des CG-Kodex zu dokumentie- ren, resultiert aus dem Transparenz-und Publizitätsgesetz (TransPuG), das am 1. Juli dieses Jahres in Kraft getreten ist. Dr. Sonje Webconsult hat sich auf die Auswertung der Onlineauftritte der Unternehmen konzentriert, weil das Internet eine große Reichweite und Vergleichbarkeit sowie zeitnahe Information bietet. Allerdings schließt die Analyse des Internetauf-tritts Punkte wie den Umgang mit In-teressenkonflikten und das Verhältnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat aus, weil diese online nur schwer zu überprüfen sind. Die Internetauftritte der Firmen wurden anhand eines 45 Kriterien umfassenden Katalogs vor (April) und nach Inkrafttreten des TransPuG (September) untersucht. Positiv anzumerken ist, dass nahezu alle Unternehmen online einen Investor Relations Service auf Englisch und Deutsch anbieten. Pressemitteilungen, ein Pressearchiv und ein Finanzkalender waren eben-falls selbstverständlich. Nur bei den Adhoc-Mitteilungen, die über kurs-relevante Ereignisse informieren, werden die Interessierten lediglich bei einem Drittel der Dax 30 fündig. Ähnlich niedrig ist der Anteil der Fir-men, die ein Archiv für diese Mittei-lungen im Onlineprogramm haben. Geht es um das Veröffentlichungs-datum des nächsten Geschäftsbe-richts, werden die Besucher der Web-seiten in den meisten Fällen ent-täuscht. Nur 6,5 % der 30 Unterneh-men geben online darüber Auskunft. Bei dem Rest ist noch nicht einmal ein erklärender Hinweis zu finden. Nur spärlich informieren die Un-ternehmen auf den Webseiten über die Vergütungen ihrer Vorstände und Aufsichtsräte. Während im April nur die Deutsche Bank allgemein über die Gehälter der Vorstände infor-mierte, gesellten sich im September immerhin noch BASF und Thyssen-Krupp hinzu. Bei den Aufsichtsräten geben rund 13 % der Firmen allge-mein Auskunft. Eine detaillierte Auf-stellung für beide Gremien bietet aber nur die Deutsche Bank. Im April-September-Vergleich ha-ben vor allem BASF, Eon und Metro ihr CG-Angebot deutlich verbessert. Deutliche Rückschritte machten RWE, TUI und die HypoVereinsbank. FTD / ur; Quelle: Bloomberg
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